Workshop
Fokus Dokumentarfilm Partnerland Frankreich

Lassen sich im französischen Dokumentarfilm landesspezifische Besonderheiten erkennen im Vergleich zur internationalen Dokumentarfilmgeschichte? Anders formuliert: Gibt es in Frankreich Filmemacher oder bestimmte Themen, die die französischen Dokumentarfilme von denen unterscheiden, die zur gleichen Zeit in anderen Ländern entstanden sind?

Frankreich hat eine Reihe von Autor_innen hervorgebracht, die im Laufe der Filmgeschichte damit experimentiert haben, ihre subjektive Wahrnehmung der Realität mit einer Kamera festzuhalten. Regisseure wie Jean Vigo filmten in den dreißiger Jahren vor allem die Momente des Alltagslebens im städtischen Raum, während die Filmemacher der Nachkriegsgeneration zunehmend mit den Gefilmten interagierten. Jean Rouch oder Stéphane Breton beschäftigten sich vornehmlich mit dem Anderen, allerdings nicht im Sinne einer exotisierenden Ethnologie. Sie suchten nach einem Gleichgewicht der Blicke zwischen Filmendem und Gefilmten. Die Dokumentarfilmautor_innen der Stilrichtung „nouvelle vague“, wie zum Beispiel Agnès Varda oder Chris Marker, erfanden ganz neue Filmtechniken und außergewöhnliche Erzählstile, die eine politisch-aktivistische und gleichzeitig poetische Weltanschauung zum Ausdruck brachten. Die Entwicklungen des zeitgenössischen Dokumentarfilms in Frankreich sind hingegen nur schwer in die Dokumentarfilmgeschichte des Landes einzuordnen. Einerseits werden die Produktionslogiken immer internationaler, der Begriff des Autors verschwimmt zunehmend; und andererseits werden auch die Erzählstrukturen immer hybrider.