Workshop
Dokumentarfilm. Eine kleine Geschichte filmischer Beziehungsweisen

Eine Revolution, so schreibt die Theoretikern Bini Adamczak, sei vor allem das Herstellen neuer Beziehungsweisen — „von einer hierarchischen Beziehung zu einer egalitären, von einer versachlichten zu einer sachbezogenen, von einer unsicheren Beziehung zu einer sicheren. Von einer indifferenten oder konkurrenten zu einer kooperativen und solidarischen Beziehung“.  Ohne dass sie sich dabei auf die Gattung des Dokumentarfilms bezieht, lässt sich dieses Nachdenken über das Umformen einer Gesellschaft entlang ihrer Beziehungsweisen auf diesen anwenden. Stärker noch als der Spielfilm, spielt im Dokumentarfilm das Verhältnis der Person hinter der Kamera zu den Produktionsmitteln, den Menschen vor der Kamera, der Welt, die sie abbildet eine zentrale Rolle. Ausgehend von dieser Überlegung werden wir im Verlauf der zwei Tage einige Schneisen durch die Geschichte dieser filmischen Form und ihrer Filme ziehen, von den Anfängen des Kinos zu zeitgenössischen Arbeiten, von erklärenden über beobachtende, interagierende, intervenierende bis hin zu reflexiven Zugängen. Ausgangspunkt aller Überlegungen und zu zeichnender Verbindungen sind die Filme selbst, ergänzt um ausgewählte Texte sowie das aktive, involvierte, kritische und leidenschaftliche Sprechen über sie. Der Einblick in die Geschichte dieser Form soll schlussendlich die Möglichkeit bieten, über die eigene künstlerische Arbeit und die darin verhandelte Form der Beziehungsweise zur Welt Klarheit zu erhalten.